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Archiv für 18. März 2009

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Das muss man sich einmal vorstellen: Ein 15-Jähriger zapft über die YouTube-API das größte Clip-Portal der Welt an, pickt sich die Rosinen heraus und macht sie über einen exklusiven Kanal einem eigenen Millionenpublikum zugänglich. Er sagt nur: “Ich hab ja nix gemacht!” - und kommt damit durch. Die Rede ist von David J. Nelson und seinem Projekt Muziic, das etwa Anfang des Monats an den Start ging. Für alle, die den Launch nicht mitbekommen haben, hier noch einmal der Dienst in Kürze…

Der Mediaplayer Muziic sieht aus wie iTunes, vielleicht ein bisschen schicker und schwärzer: Suchbox, Genres, Playlists, sogar User-Charts – alles ist da. Die Songs liegen aber nicht lokal auf der Platte, sondern werden direkt aus der Musikabteilung der YouTube-Videothek gestreamt. Da dürften einige Millionen Tracks zusammenkommen, darunter auch all die seltenen Live-Aufnahmen, die sonst nirgendwo (mehr) zu finden sind. Soweit zur Kernfunktion von Muziic.

Als zum ersten Mal über das Programm berichtet wurde, erwarteten alle ein großes Donnerwetter – sowohl von YouTube als natürlich auch von den Labels. Jetzt überraschend die erste frohe Nachricht: Google gibt grünes Licht, heißt es auf Cnet. Teenager Nelson musste kleinere Änderungen an Muziic vornehmen, etwa die Größe des Players an das YouTube-Format anpassen, um den Terms of Service zu entsprechen. Sonst gab es kein Gemecker. Im Gegenteil, wie im Muziic-Blog zu lesen ist, hat Google dem Startup sogar zur guten Idee gratuliert. Man kann daraus schließen, dass YouTube künftig vermehrt auf Invideo-Werbung setzen wird, was allerdings eh im Schlachtplan des Suchriesen bereits festgehalten wurde.

Bleiben nach dieser Hürde noch die Lables, die aber wohl erst beim ersten Anzeichen der Monetarisierung ihre Zähne fletschen werden. Google hat zwar offizielle Verträge mit Universal, Sony und EMI laufen und drückt auch für jedes angespielte Video ein paar Cents ab – die Embedding-Funktion, die einen Transport der Clips ermöglicht, bleibt dabei aber stets “auf Anfrage deaktiviert“, da über/in/unter der Videobeschreibung die wertvolle Künstlerwerbung prangt. Zudem bietet Muziic zusammen mit dem Player auch einen Encoder, der es im Handumdrehen ermöglicht, eigene MP3s mit Bildern zu versehen und als FLV-Datei in den YouTube-Katalog zu schießen – was den Musikbossen wohl kaum gefallen dürfte.

Nelson, der das Muziic-Geschäft gemeinsam mit seinem Papa schmeißt, beteuert, dass man nichts Böses in Schilde führe und offen mit den Labels diskutieren möchte. Noch sei jedenfalls kein Anwalt angeheuert worden. Dafür hat bereits jemand anderes an die Tür geklopft: ein großer Investor aus dem Mittleren Westen.

Keime und Bakterien im Bier

Fast ein halbes Jahrtausend ist es alt: das deutsche Reinheitsgebot. Noch heute werben die deutschen Brauer mit diesem Gesetz, nach dem außer Wasser, Hopfen und Malz keine weiteren Stoffe im deutschen Bier sind. Doch: was ist wirklich drin im Gläschen Gerstensaft, das wir voller Genus an der Theke trinken?

Wer bekommt nicht ab und zu mal Durst auf ein frisch gezapftes Bier? Doch Vorsicht: Vielleicht ist da nicht nur Gerstensaft drin, sondern auch ein Haufen krankmachender Bakterien!

Glauben sie nicht? Dann fragen sie mal Hans-Dieter Rietze. Er ist Leiter des Kasseler Veterinäramtes. Und hatte Bier-Proben von Kneipen-Zapfanlagen untersuchen lassen.

Rietze stellt fest: „Ich hatte eine Beanstandungsquote von 20 Prozent befürchtet. Tatsächlich lagen wir bei 80 Prozent. Wir hatten eine erhebliche Überschreitung der Gesamtkeimzahl, aber auch sehr viele coliforme Keime. Keime, die als Darmbakterien im Bier überhaupt nichts zu suchen haben.“

 

Versteckter Test in Mittelhessen

Ein wirklich ekliger Befund. Alles nur ein blöder Zufall? Oder sieht es andernorts in Hessen auch so aus? Das wollen wir genauer wissen. Ausgestattet mit keimfreien Testfläschchen machen wir uns auf nach Mittelhessen. Anonym nehmen wir in insgesamt 10 Kneipen Bierproben. Frisch gezapft aus dem Glas. So wie der Gast sie serviert bekommt.

Die Proben sind von uns so gezogen worden, dass sie von außen nicht verunreinigt werden konnten. Kühl gelagert bringen wir sie in ein privates Analyselabor. Hier soll man uns sagen, wie es um den Keimbefall unserer Bierproben bestellt ist. Dabei wird nicht alles untersucht, sondern nur solche Bakterien, die potentiell gesundheitsschädlich sind und nicht ins Bier gehören.

Also die so genannten coliformen Bakterien. Unsere Bierproben werden zunächst gleichmäßig auf ein Gewebe verteilt und anschließend mehrere Tage auf einem Spezialnährboden gelagert. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

 

Versteckt in der Schankanlage

Neben dem Testergebnis interessiert uns aber auch noch eine Frage: Wie kommen die Keime überhaupt ins Bierglas? In der Regel stammen sie aus dem Rohrsystem der Schankanlage. Wird die nicht regelmäßig gereinigt, können sich Keime an den Innenwänden festsetzen und vermehren. Teile der Keimmasse werden schließlich durch den Bierstrom wieder von der Leitungs-Innenwand gelöst und kommen so ins Bierglas. Dass so etwas nicht passiert, dafür gibt es Menschen wie Bernd Marquardt.

 

Mit Schwämmchen und Chemie

Marquardt ist professioneller Schankanlagen-Reiniger. Er weiß: Einfach mal frisches Wasser durch die Bierleitung pumpen – das genügt auf keinen Fall: „Wichtig ist, dass chemisch-mechanisch gereinigt wird. Das bedeutet, dass eine Mechanik da ist, die die groben Verunreinigungen wegnimmt. Und die Chemie bewirkt, dass die Keime abgetötet werden.“

Zunächst werden kleine Schwämmchen mit Druck durch das gesamte Leitungssystem der Zapfanlage gejagt. Sie sorgen dafür, dass Ablagerungen nahezu vollständig abgetragen und aus dem gesamten System gespült werden. Doch das ist noch nicht alles. So richtig sauber wird es erst durch die chemische Lauge, die noch vorhandene Keimreste vollständig abtötet. Am Schluss wird das System ordentlich mit Wasser nachgespült.

Fragt sich, warum das nicht in allen Kneipen so gemacht wird. Marquardt ist sich sicher: „Das liegt hauptsächlich am Geld, weil ein gewerblicher Leitungsreiniger halt Geld kostet. Und dann wird es halt selber gemacht. Und das nicht richtig.“

 

Nicht nur die mangelnde Hygiene der Bierleitung ist ein Problem. Auch bei der Reinigung von Spülbecken und Zapfhähnen wird gern mal geschlampt. Denn ein Nachweis über die regelmäßige Reinigungen durch einen Fachmann wie Bernd Marquardt ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Da drängt sich schnell der Verdacht auf: Wird das vielleicht massenhaft genutzt?

 

Sechs sauber, vier keimbelastet

Wir sind erneut in unserem Analyselabor. Die Untersuchungen unserer Bierproben sind mittlerweile abgeschlossen. Wir sind gespannt. Was haben sie ergeben? Zunächst die gute Nachricht: Von unseren 10 Bierproben waren sechs Proben einwandfrei. In vier Proben befanden sich allerdings krankmachende Keime.

Darunter in einem Glas 250 Darmbakterien, in einem zweiten sogar 400 Bakterien. Und das war leider noch nicht alles. Der untersuchende Mikrobiologe Dr. Bernd Krone: „Wir haben in zwei Proben, das sind auch die, in denen die Darmbakterien nachgewiesen ist, auch Schmutzwasserkeime nachweisen können, den so genannten Pseudomonas aeroginosa, den wir als Leitkeime untersuchen. Also, zwei Proben gibt es, wo man sagen müsste: da würde man sich schon eine bessere Hygiene wünschen.“

 

Hans-Dieter Rietze vom Kasseler Veterinäramt hat sich das Wünschen übrigens abgewöhnt. Die von ihm untersuchten Gastronomen wurden verwarnt und nachkontrolliert. Und nicht nur das. „Im Nachgang müssen einige dieser Gastronomen noch mit der Einleitung eines Bußgeldverfahrens rechnen“, sagt Rietze. Und unsere beiden schwarzen Schafe? Natürlich werden wir dafür sorgen, dass auch in diesen Kneipen hoffentlich schnell wieder reiner Gerstensaft ausgeschenkt wird.

Keine Gesundheitsgefahr

Die staatlichen Kontrolleure wollen sich - so haben sie es uns versprochen, der Sache umgehend annehmen. Eine Gesundheitsgefahr, das sollte am Schluss ausdrücklich gesagt werden, geht durch die von uns gemessene Anzahl der Keime nicht aus. Trotzdem: appetitlich sind Darmbakterien und Fäkalkeime im Bier sicher nicht. Wir als Verbraucher können daher nur hoffen, dass unsere Lieblingskneipe um die Ecke ihre Schankanlage regelmäßig und vor allem fachmännisch reinigen lässt…

Quelle:hr-online

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